Was uns der Fußball über Kultur lehren kann – Fußball-Fankulturen auf der ganzen Welt

Die Fußball Bundesliga startet in eine neue Saison. Zeit, um einen Blick darauf zu werfen, was uns Fußball über unterschiedliche Kulturen lehren kann. Unser Redakteur Sebastian erzählt, wie Stadionbesuche in unterschiedlichen Ländern ihm geholfen haben, diese ein wenig besser zu verstehen.

Bildnachweis: Victoria Primak

Die kulturelle Relevanz des Fußballs

Egal, ob man sich für das Spiel interessiert oder nicht, man kann von den Rängen viel über ein Land lernen. Deshalb nutze ich während meiner Reisen jede sich bietende Gelegenheit, um ein Fußballspiel zu besuchen. Als Expat hat mir mein Interesse am Fußball definitiv geholfen, meine Wahlheimat (Deutschland) und auch ganz Europa besser zu verstehen.

Für mich ist es äußert faszinierend, wie sich Kulturen auf den Tribünen der Stadien widerspiegeln und wie die Fans nicht nur ihr Land, sondern vor allem auch ihre jeweilige Region repräsentieren. Als studierter Historiker versuche ich zudem, das schöne Spiel auch aus dieser Perspektive zu betrachten. So habe ich beispielsweise viel über Nordirland gelernt, als ich das North Belfast Derby am Boxing Day 2016 besuchte. Ich hatte das Glück, Spiele unter anderem in Polen, Tschechien, Mexiko, den USA, der Schweiz und Spanien zu besuchen, und war in vielen Stadien in ganz Deutschland.

Begeistern tun mich auch internationale Fußballturniere. Warum? Einer der aufregendsten Aspekte internationaler Fußballturniere ist es, die Fans aus verschiedenen Ländern zu sehen, die ihre Mannschaften in ihrer eigenen Sprache unterstützen oder ihrem Unterstützungsstil eine ganz eigene Note geben. Erinnern wir uns beispielsweise an die isländischen Fans und ihr Wikinger-Klatschen oder Schottlands berühmte Tartan Army.

Heißt es eigentlich football oder soccer?

Im Englischen wird oft darüber diskutiert, ob es nun eigentlich football oder soccer heißt. Doch was hat es mit dem Namen auf sich? Technisch gesehen bezieht sich “football” auf eine Familie von Sportarten, die Rugby, American Football, Australian Rules Football, Gaelic Football und Fußball umfasst, aber im Allgemeinen ist “football” ein Synonym für “Association Football”. Als die Football Association 1864 die Regeln ihrer Spielart kodierte, fügten sie das Wort “Association” hinzu, um sie vom Rugby-Fußball zu unterscheiden. Woher kommt also der Name “soccer”? Es ist einfach eine abgekürzte Form von “association” (+er) und wurde erstmals 1889 (als socca) aufgezeichnet.

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Fußball-Fankultur in Deutschland

Während man die Deutschen für seriös und ordentlich hält, ist das auf den deutschen Fußballrängen nicht der Fall. Deutsche Fans sind laut und gehen oft die sogenannte extra Meile, um ihre Mannschaften zu unterstützen. Dies tun sie mit sehr kreativen, choreografierten Fahnen, die international auch als “Tifos” bekannt sind. Der Begriff leitet sich vom italienischem Wort tifoso (Fan) ab.

Deutsche Fans von Vereinen wie Eintracht Frankfurt oder Dynamo Dresden sind in ganz Europa für ihre Tifos oder auch Choreos berühmt. Auch der Dortmunder Signal-Iduna-Park ist aufgrund der lautstarken Unterstützung von der sogenannten “Gelben Wand” berühmt und berüchtigt.

Fußball hat einen sehr hohen Stellenwert in Deutschland. Mit vier gewonnenen Weltmeisterschaften (1954, 1974, 1990 und 2014) und drei Europameistertiteln (1972, 1980 und 1996) ist „die Mannschaft“, wie die deutsche Nationalmannschaft seit einigen Jahren genannt wird, eine der erfolgreichsten internationalen Mannschaften überhaupt. Auch die Bundesliga gehört zu den Top-Wettbewerben in Europa und ist voll von traditionsreichen Mannschaften. Das gilt aber auch für die zweite und dritte Liga, in denen mittlerweile viele namhafte Vereine beheimatet sind, die bis vor kurzem sogar international spielten, wie beispielsweise die Neuzugänge Schalke 04 und Werder Bremen.

In Hamburg ist neben dem HSV auch der FC St. Pauli beheimatet, ein Kiezverein, der auch außerhalb Deutschlands Kultstatus erlangt hat. Der FC St. Pauli hat eine ausgeprägte gegenkulturelle Identität und Fanclubs auf der ganzen Welt. Ich selbst wohne auf St. Pauli in fußläufiger Entfernung zum Stadion und sehe oft Aufkleber von St. Pauli-Fanclubs aus Orten wie Glasgow ( Glasgow St pauli supporters club ), New York City (East River Pirates) und Buenos Aires ( Piratas del Sur ). Und obwohl der FC St. Pauli weit davon entfernt ist je einen Meistertitel zu holen, sind die Heimspiele am Millerntor immer ausverkauft und die Stimmung während der Spiele ist bombastisch.

Die Bundesliga in Deutschland

Deutschland ist deutlich vielfältiger, als man auf den ersten Blick denkt. Norddeutschland und Süddeutschland sind sehr unterschiedlich, ebenso wie Ost und West. Und diese Vielfalt lässt sich auch auf den Fußball übertragen, denn in vielen Fällen besitzen die Clubs eine sehr starke regionale Identität oder sie haben eine tiefe historische Verbindung.

Der FC Bayern München beispielsweise repräsentiert ganz klar die „bayerische Identität“, ist aber auch gleichzeitig einer der beliebtesten Vereine des Landes. Das ist deshalb faszinierend, weil die Deutschen, die nicht in Bayern wohnen, das Bundesland sonst oft gar als ein anderes Land betrachten.

In der ehemaligen DDR hatten die meisten Vereine einen Bezug zum Establishment, wie zum Beispiel Dynamo Dresden, welcher der Verein der Polizei war. Und die beiden Berliner Erstligavereine Hertha und Union repräsentieren West- bzw. Ost-Berlin.

Auch selbst innerhalb der Bundesländer gibt es viele regionale Unterschiede. Mein Lieblingsbeispiel ist der SC Freiburg, der die Region Schwarzwald nahe der französischen und schweizerischen Grenze repräsentiert und dessen Trainer in ganz Deutschland für seinen dicken regionalen Akzent bekannt ist. Und dann gibt es auch noch Unterschiede und Rivalitäten zwischen Regionen und Städten: Düsseldorf und Köln haben eine große Rivalität im Allgemeinen, nicht nur auf dem Spielfeld, ebenso wie Hamburg und Bremen.

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Fußball-Fankultur in Großbritannien

England ist die Wiege des Spiels, wie wir es heute kennen. Der englische Fußballverband wurde 1863 gegründet und auch viele heute noch aktive Vereine entstanden zu dieser Zeit. In den Anfangsjahren verbreitete sich der Fußball von Großbritannien aus durch Aus- bzw. Einwanderung in die ganze Welt. Durch die Entwicklung der Eisenbahn und des boomenden Bergbaus im späten 19. Jahrhundert gab es viele britische Einwanderer in Lateinamerika. Sie brachten den Fußball mit. So ist es auch nicht überraschend, dass die argentinische Liga nach der Englischen die zweitälteste der Welt ist.

Englands erfolgreichste Vereine sind in London beheimatet und in der Hauptstadt gibt es eine hohe Konzentration von Vereinen, die im gesamten englischen Ligasystem spielen. Das Spiel verbreitete sich schnell im gesamten Vereinigten Königreich und schlug auch in Schottland Wurzeln, wo sehr alte und traditionsreiche Mannschaften wie Hibernian, Rangers und Celtic beheimatet sind.

Britische Fans

Die moderne Fankultur in Kontinentaleuropa wurde nachhaltig vom italienischen Support beeinflusst. Anders als die Fans auf dem Festland jedoch, nutzen die britischen Fans keine Fahnen, um ihre Mannschaften zu unterstützen. Es gibt in der Regel auch keine organisierten Choreographien und die Fans verwenden normalerweise keine Trommeln.

Die englische Premier League

Englands Vereine sind historisch und traditionsreich. Viele Vereine haben eine große Anhängerschaft, obwohl sie längst in die unteren Ligen abgestiegen sind. Zu nennen wäre hier z.B. der Leyton Orient F.C. (gegründet 1881). Die englische Premier League ist, im Gegensatz zur Bundesliga, hart umkämpft. Während in Deutschland Bayern München die Meisterschaft die letzten neun Jahre in Folge gewonnen hat, wird die Premier League oft zwischen Manchester City und Manchester United, Liverpool, Leicester und Chelsea ausgefochten, wobei auch Arsenal und die Tottenham Hotspurs immer wieder mal an der Spitze der Tabelle stehen.

Fußball-Fankultur in den USA

Fußball (lokal Soccer genannt) ist eine vergleichsweise neue Sportart in den Vereinigten Staaten, die aber schnell an Popularität gewinnt. Früher als Sport für Kinder angesehen, wird Fußball auch von Erwachsenen immer mehr akzeptiert; Mittlerweile sind die Spiele der Major Soccer League oft ausverkauft. Der Atlanta United FC zum Beispiel verkauft regelmäßig alle seine Dauerkarten, obwohl er erst 2014 gegründet wurde.

Fußball ist vor allem im pazifischen Nordwesten sehr beliebt. In Portland, wo ich lebte, bevor ich nach Deutschland zog, waren die Spiele der Portland Timbers im PGE Park schon ausverkauft, bevor der Verein in die MLS wechselte. Außerdem ist Fußball die einzige Sportart, bei der alle drei großen Städte des pazifischen Nordwestens in der gleichen Liga vertreten sind: die Portland Timbers, die Seattle Sounders und die Vancouver Whitecaps.

US-Fans

Fußball ist ein bisschen eine Anomalie, wenn es um Sport in den USA geht. Während die Fankultur in allen anderen amerikanischen Sportarten einige Gemeinsamkeiten aufweisen (z.B. Schaumstoffhände) ähneln die Fußballfans in den USA eher den europäischen und lateinamerikanischen Fans. In den USA machen die Hispanics einen großen Teil der Fußballfans aus und haben den Stil des Supports stark beeinflusst. Und obwohl die Fußballkultur in den USA noch relativ neu ist, sind die amerikanischen Fans sehr engagiert und können es in Sachen Leidenschaft und Kreativität aus meiner Sicht jederzeit mit den europäischen Fans aufnehmen.

Die MLS

Die 1993 gegründete Major League Soccer (MLS) hat nicht die Tradition vieler europäischer oder lateinamerikanischer Ligen und wird von vielen belächelt auch von Amerikanern selbst, weil der Fußball nicht so populär ist, wie etwa Baseball oder Basketball. Aber, wie gesagt, das ändert sich.

Der Fußball in den Vereinigten Staaten funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die Franchises der anderen amerikanischen Sportarten. Oft werden Teams aufgelöst und in andere Städte verlegt, oft werden neue Teams gegründet, wie zum Beispiel David Beckhams Inter Miami CF, der 2018 gegründet wurde. Die MLS ist eine Liga, in der viele europäische Stars ihre Karriere beenden.

Egal ob soccer oder football –Labdarúgás, Nogomet oder Pêl-droed – wir bei English Business freuen uns auf den Bundesligastart!

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