Englische Pluralformen und ihre Entstehung

Im Englischen gibt es einige Regeln für die Bildung von Pluralnomen – und gefühlt mindestens so viele Ausnahmen davon. Englischlernende müssen diese, so schmerzhaft das auch sein mag, Stück für Stück lernen. Aber woher kommen diese Ausnahmen eigentlich? Sind sie zufällig entstanden oder gibt es einen linguistischen Grund dafür? Sehen wir uns einmal einige Beispiele an.

Wie werden im Englischen Pluralformen gebildet?

Das Englische hat einige Grundregeln für die Bildung des Plurals. In den meisten Fällen hängt man einfach ein -s an (wie bei cat, cats), manchmal auch ein -es (wie bei tax, taxes). Dann gibt es die Fälle, in denen ein -y zu einem -ies wird (wie city, cities) oder ein -f zu einem -ves (wie bei wolf, wolves). Ein -o wird in der Regel zu einem -oes (wie bei tomato, tomatoes), und ein -is wird oftmals zu einem -es (wie bei axis, axes). Darüber hinaus gibt es einige Sonderfälle, wie z. B. ein -us, das zu einem -i wird (wie bei fungus, fungi) und ein -on, das zu einem -a wird (wie bei phenomenon, phenomena).

Es mag Ihnen zunächst vielleicht wie eine Kleinigkeit vorkommen – aber lassen Sie sich gesagt sein: Wenn Sie den Plural im Englischen in all seinen Feinheiten korrekt bilden können, werden Ihre Englischkenntnisse von Ihren Auftraggebern, Kollegen oder Kunden wahrscheinlich als deutlich besser wahrgenommen.

Regelmäßig vs. unregelmäßig

Man sollte wissen, dass es bei den meisten, wenn nicht sogar bei allen der oben genannten Regeln Ausnahmen gibt! Einige Substantive verändern sich im Plural überhaupt nicht –der jeweilige Kontext gibt dann Aufschluss darüber, ob es sich um das Singular oder den Plural handelt. Ein Beispiel im Englischen hierfür ist das Wort „salmon“ (Lachs). Der Grund für die vielen Ausnahmen liegt in der Sprachgeschichte: Das Englische hat sich im Laufe der Zeit stark ausdifferenziert und wurde von so vielen Sprachen beeinflusst und entlehnt, dass viele uneinheitliche Formen entstanden sind. Im Folgenden gehen wir auf einige Unregelmäßigkeiten etwas genauer ein.

Goose/geese and moose/moose

Das Wort „moose“ (Elch) wurde erst im 17. Jahrhundert in den englischen Sprachschatz aufgenommen, als diese Sprache in Nordamerika (wo es Elche gibt) bereits weit verbreitet war. Laut Oxford Dictionary stammt das Wort aus dem „Eastern Abnaki“, einem Dialekt des Algokin, das von amerikanischen Ureinwohnern in Quebec und den umliegenden Gebieten gesprochen wird. Das Wort behält die gleiche Pluralendung, die auch der seiner Ursprungssprache entspricht (moose), anstatt der gängigen Pluralbildung für englische Substantive zu folgen.

Bei „goose“ sieht es hingegen anders aus. Aus „goose“ wird „geese“, so wie „tooth“ und „foot“ aus vergleichbaren Gründen zu „teeth“ und „feet“ werden – und zwar deshalb, weil sie auf eine alte Form des Deutschen zurückgehen und sich daher stärker an dessen Pluralisierungsregeln anlehnen.

Mouse/mice und house/houses

Manchmal scheint es zunächst keinen plausiblen Grund für eine Normabweichung zu geben. „Mouse (mice)“ und „house (houses)“ zum Beispiel haben beide einen deutschen Wortstamm. Dennoch folgen sie unterschiedlichen Pluralregeln, weil sie unterschiedliche Wege durch die englische Sprache genommen haben. Es liegt in der Natur einer Sprache, sich ständig zu verändern, Lehnwörter einzubauen und sich anzupassen. Aber es gibt auch eine Ausnahme von der Ausnahme: Wenn Sie über eine elektronische Maus sprechen, die an Ihren Computer angeschlossen ist, ist es akzeptabel, „mouses“ im Plural zu verwenden!

Cactus/cacti und octopus/octopodes /octopi /octopuses

Auch bei diesen Beispielen kann man sich fragen, wie es zu divergierenden Pluralformen gekommen ist. Hier liegt ein Unterschied in den Sprachen, aus denen diese Wörter entlehnt wurden. Das Wort „cactus“ stammt aus dem Lateinischen. Der englische Plural mit -i ist ein Überbleibsel der lateinischen Regeln. Diese Regel wird jedoch nicht mehr uneingeschränkt verwendet (das Englische ist voller Inkonsequenzen). So hört oder liest man nicht mehr allzu oft die Wörter „foci“ oder „syllabi“.

Auch das Wort „octopus“ wird häufig dem Lateinischen zugeordnet, hat aber in Wahrheit griechische Wurzeln. Die Regel, die ursprüngliche Pluralisierung nachzuahmen (was uns „octopodes“ beschert hat, auch wenn diese Variante sehr unüblich ist), wurde hier jedoch zunächst nicht angewandt. Verschiedene Quellen aus dem 19. Jahrhundert zeigen, dass entweder die gebräuchlichere lateinische Regel (Pluralisierung mit -i „octopi“) übernommen oder aber die englische Pluralisierungsregel, bei der an Wörter, die auf „s“ enden, ein -es angehängt wird („octopuses“), verwendet wurde. Wenn Sie sich für weitere Details interessieren, hat Merriam-Webster eine sehr hilfreiche Zusammenfassung der kontroversen Debatte über den „richtigen“ Plural von „octopus“ veröffentlicht. Schlussendlich durchsetzen wird sich wahrscheinlich entweder „octopuses“ oder „octopi“. Dies ist immer dann der Fall, wenn ein Wort allgemein verwendet und verstanden wird. Im Grunde ist das Englische ein gutes Beispiel dafür, dass sich Sprachen ständig weiterentwickeln. Aber das ist eine eigene Thematik für einen anderen Blogbeitrag.

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