Der deutsche Mittelstand: seiner Klasse voraus?

Über die Vorteile des Mittelstandes wurde viel gesprochen, insbesondere seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Was hat es damit auf sich? EnglishBusiness liefert eine kurze Erklärung.

„Mittelstand“ ist ein deutscher Begriff, der viel mehr bedeutet als das, was im Wörterbuch steht. Wie andere deutsche Wörter, die keine direkte englische Entsprechung haben (man denke an wanderlust, zeitgeist, angst und wunderkind), verwenden wir „Mittelstand“ auch im Englischen: Das Oxford English Dictionary definiert ihn als the medium-sized companies in a country, viewed as an economic unit. Ein Beispiel: „Es gibt einen wachsenden politischen Konsens über die Notwendigkeit, den Finanzfluss zum Mittelstand zu verbessern.“ “There is a growing political consensus on the need to improve the flow of finance to the Mittelstand.”

In den Medien wird mitunter der Eindruck erweckt, die deutsche Wirtschaftslandschaft bestehe fast ausschließlich aus Großunternehmen. In Wirklichkeit gehören aber sage und schreibe 99,5 Prozent aller deutschen Unternehmen zum Mittelstand – mehr als in jeder anderen Industrienation.

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Was genau ist also der Mittelstand?

Es gibt keine einheitliche, eindeutige Definition. Die Europäische Kommission verwendet den Begriff in Bezug auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Um genau zu sein (wir sind ja schließlich in Deutschland), gehören Unternehmen mit maximal 249 Beschäftigten und einem Umsatz von bis zu 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von bis zu 43 Millionen Euro zum Mittelstand. Diese Zahlen werden für internationale Vergleiche zwischen den Ländern und als Referenz für EU-Beihilferegelungen bei Entscheidungen über EU-Fördermittel für Unternehmen herangezogen. Andere Stellen, darunter auch die Bundesregierung, beschreiben den Mittelstand mit anderen Zahlen. Nach der Definition des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM) gelten Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von maximal 50 Millionen Euro als KMU. Hier spielt die Bilanzsumme der Unternehmen keine Rolle. Wenn Sie daran Spaß haben, die Daten zum deutschen Mittelstand zu zerpflücken, finden Sie hier die Statistik.

Mittelständische Unternehmen zeichnen sich auch durch eine andere Mentalität aus

Auch auf der operativen Ebene lässt sich der Mittelstand durch die Verknüpfung von Unternehmensführung und Eigentümerschaft beschreiben. Deshalb werden die Begriffe Mittelstand, Familienbetrieb, inhabergeführtes Unternehmen und familiengeführtes Unternehmen häufig synonym verwendet. Das bedeutet, dass mittelständische Unternehmen und Familienunternehmen mit unabhängigen KMU gleichgesetzt werden. Selbstständige Unternehmen mit 500 oder mehr Beschäftigten oder einem Jahresumsatz über 50 Mio. € werden ebenfalls zum Mittelstand gezählt, wenn sie familien- oder inhabergeführt sind. Kleine und mittlere Unternehmen, die von einem anderen Unternehmen abhängig sind, gelten damit nicht als mittelständisch.

Die deutsche Regierung stellt eine ausgezeichnete Website zur Verfügung, die die „Marke“ Mittelstand beschreibt und die Vorteile und Herausforderungen des Modells darlegt. Einige der Vorteile: Mittelständische Unternehmen verfolgen häufig eine langfristige Personalpolitik und investieren in ihre Mitarbeiter, selbst wenn sie mit einem schwierigen globalen wirtschaftlichen Umfeld konfrontiert sind. Der deutsche Mittelstand ist außerdem bekannt für seine Kontinuität und Dynamik. Er sichert einen Großteil der wirtschaftlichen und sozialen Stabilität in Deutschland und trägt zu einer niedrigen Jugendarbeitslosigkeit bei.

Herausforderungen für den Mittelstand

Schwierig für den Mittelstand wird es beim demografischen Wandel sowie bei Fragen der Modernisierung und Digitalisierung. Der demografische Wandel führt dazu, dass die Fachkräftesicherung nicht immer einfach ist. Es stehen weniger junge Menschen für eine Beschäftigung zur Verfügung und für viele mittelständische Unternehmen sind inzwischen Geflüchtete eine wichtige Ressource, wenn es um die Besetzung von Ausbildungsstellen und Arbeitsplätzen geht. Hinzu kommt eine weitere Hürde: Deutschen Unternehmen wird nachgesagt, sie seien schwerfällig und bürokratisch. Dabei treibt der Mittelstand die Bemühungen voran, Bürokratie abzubauen, das öffentliche Auftragswesen zu modernisieren und die durch Vorschriften entstehenden Kosten für Unternehmen zu senken. Den häufig auftretenden Modernisierungsschwierigkeiten der KMU versucht die Regierung mit der Förderung der Digitalisierung im Handwerk zu begegnen: Bundesweit gibt es mehr als 25 Kompetenzzentren „Mittelstand 4.0“.

Dass das Konzept des Mittelstandes von nationaler Bedeutung ist, merkt man daran, dass die Deutschen das vermeintlich langweilige Wirtschaftskonzept sogar aufpeppen: Jährlich werden gleich mehrere Mittelstandspreise im Rahmen von  Galaveranstaltungen verliehen.

Auch die EnglishBusiness AG ist ein unabhängiges Unternehmen, das von den Inhaberinnen familiär geführt wird – und damit fest im Mittelstand verankert. Unternehmen, die sich gesellschaftlichen Veränderungen und globalen Herausforderungen wie der Digitalisierung und dem demografischen Wandel stellen, müssen bereit sein, innovative Antworten und nachhaltige Lösungen zu entwickeln.

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